Zurück aus Belém: Was hat die Klimakonferenz gebracht?
(Jimmy Honzik | Büro Lisa Badum)
Ich bin von der Weltklimakonferenz COP30 in Belém zurück in Deutschland. Zwei Wochen lang wurde verhandelt, gerungen und taktiert – über Geld für Klimaanpassung, den Schutz der Regenwälder und die Frage, wie ernst es die Staaten dieser Welt mit dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas wirklich meinen. Am Ende stehen Fortschritte, aber auch deutliche Lücken. Gleichzeitig habe ich während der ganzen Konferenz ein Argument im Ohr, das mir in Deutschland ständig begegnet: „Bringt das überhaupt was, wenn wir Klimaschutz machen? Die anderen machen doch eh, was sie wollen.“ Genau mit dieser Frage bin ich nach Belém gefahren – und mit ein paar klaren Antworten zurückgekommen.
Klimaschutz ist kein deutscher Alleingang
In Belém saßen Vertreter:innen aus fast allen Staaten der Welt an einem Tisch – 195 Länder, die sich schon vor zehn Jahren im Pariser Abkommen verpflichtet haben, die Erderwärmung zu begrenzen. Deutschland ist Teil einer weltweiten Vereinbarung, nicht der einsame Streber in der Klasse.
Wenn man durch die Gänge des Konferenzzentrums läuft, sieht man das ganz konkret: kleine Inselstaaten, die um ihre Existenz kämpfen; afrikanische Länder, die Energie für Entwicklung brauchen; große Schwellenländer, die heute zu den größten CO2-Verursachern gehören und gleichzeitig massiv in erneuerbare Energien investieren. Die Vorstellung, Deutschland würde im Alleingang „irgendwas fürs Klima machen“, wirkt da fast absurd. Die Wahrheit ist: Wir sind mittendrin in einem globalen Prozess – und wir werden sehr genau beobachtet, ob wir das, was wir versprechen, auch umsetzen.
„Was bringt es, wenn wir in Deutschland das Klima schützen, wenn andere Länder nichts machen?“
Die kurze Antwort nach dieser COP: Die Motivationen aller Mitglieder auf der COP sind da. Denn wenn jedes Land so denken würde, passiert genau eins – gar nichts. Wenn andere Länder anziehen, können wir uns in Deutschland nicht zurücklehnen. Dann geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um unsere wirtschaftliche Zukunft: Wollen wir vorne dabei sein, Technologien exportieren, gute Industriearbeitsplätze sichern? Oder schauen wir zu und kaufen später alles teuer ein?
Gleichzeitig kommen die größten Emissionen nicht aus den ärmsten Ländern der Welt. Viele Staaten, die kaum zum Problem beitragen, leiden am meisten unter den Folgen. Mit Vertreter:innen dieser Länder habe ich in den letzten Tagen gesprochen. Für sie geht es nicht um Überschriften – für viele geht es ums Überleben. Zu sagen: „Wir machen erst weiter, wenn alle anderen perfekt sind“, wäre nichts anderes als eine bequeme Ausrede.
Gerechtigkeit in Zeiten der Klimakrise
Deutschland liegt bei den jährlichen CO₂-Emissionen weltweit ungefähr auf Platz 14. Über 100 Länder stoßen deutlich weniger aus als wir, sind aber viel härter von der Klimakrise betroffen. Brennende Wälder, Inselstaaten, deren Landfläche Jahr für Jahr schwindet, Überschwemmungen, die ganze Regionen unbewohnbar machen, und vertrocknete Ernten, die Existenzen zerstören.Wie schützen wir als Staatengemeinschaft diese Menschen? Wie sollen wir unsere Wirtschaft anpassen? Und vor allem: Wer bezahlt das alles?
Genau darum wurde in Belém hart gerungen. Nicht nur um Formulierungen in Abschlussdokumenten, sondern um die Grundfragen: Mit welchen Technologien gehen wir raus aus Kohle, Öl und Gas? Welche Regeln gelten für internationale CO₂-Märkte? Wie viel Geld fließt in erneuerbare Energien, in Klimaanpassung, in den Schutz der Regenwälder?
Beim Ziel sind sich fast alle einig: raus aus den fossilen Energien, hin zur Klimaneutralität. Aber der Weg dahin, das Tempo und die Verteilung der Kosten bleiben umstritten. Und das ist genau der Konflikt, in dem wir auch in Deutschland stecken: Wie machen wir Klimaschutz ohne soziale Spaltung zu vertiefen?
Von Belém in unsere Region
Was in Belém verhandelt wurde, hat konkrete Konsequenzen für unser Leben hier in der Region. Ich denke an vollgelaufene Keller nach Starkregen, an vertrocknete Böden und verdorbene Ernten, an niedrige Pegelstände auf Wasserstraßen, die für unsere Industrie wichtig sind, und an Hitzeperioden, in denen ältere Menschen kaum noch aus dem Haus können.
Die Klimakrise ist längst in Deutschland angekommen. Sie ist nicht nur ein Szenario für 2050, sondern Realität – auch bei uns vor Ort. In Belém wurde mir erneut klar: Alles, was wir heute verhindern, müssen wir morgen nicht teuer bezahlen. Jede Tonne CO₂, die wir jetzt einsparen, bedeutet weniger zerstörte Infrastruktur, weniger Schäden in der Landwirtschaft, weniger Gesundheitsbelastung durch Hitze.
Dennoch müssen wir den Klimaschutz sozial gestalten. Es geht nicht nur um abstrakte Emissionszahlen. Es geht um Arbeitsplätze in unserer Industrie, um bezahlbare Energie für Familien, um lebendige Innenstädte und um die Frage, ob unsere Kinder in 20, 30 Jahren in einer stabilen, sicheren Welt leben können.
Was wurde erreicht?
Von der COP30 gehen gemischte Signale aus. Ja, mit der Einrichtung der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) und der zugesagten Verdreifachung der Finanzierung für Klimaanpassung bis 2035 ist ein wichtiger Schritt gelungen – vor allem für viele Entwicklungsländer, die seit Jahren genau das einfordern. Deutschlands substantieller Beitrag, insbesondere die 1 Milliarde Euro für den TFFF in den kommenden Jahren, ist hier ausdrücklich anerkannt worden.
Aber bei zentralen Forderungen konnten sich die EU und Deutschland nicht durchsetzen: Im Beschlusstext fehlt jede explizite Erwähnung fossiler Brennstoffe, obwohl mehr als 80 Länder einen Übergangs-Fahrplan gefordert hatten. Zehn Jahre nach dem Abkommen von Paris zeigt sich erneut, wie einige Staaten bremsen und blockieren, sobald es konkret wird. Die Nicht-Teilnahme der USA hat die ohnehin extrem schwierigen Rahmenbedingungen für verbindliche Beschlüsse zusätzlich verschlechtert. Unterm Strich war die COP30 daher kein Durchbruch für den globalen Klimaschutz: Die Fortschritte beim Regenwaldschutz und bei der Klimaanpassung sind positiv, gleichzeitig hält die Blockade-Allianz der Fossilstaaten. Ohne eindeutige Verpflichtung zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas droht das Tempo der Emissionsreduktion weiter zu langsam zu bleiben – die Beschlüsse sind insgesamt zu schwach.
Und jetzt?
Wie es weitergehen muss und was ich aus Belém konkret mitgenommen habe, darüber habe ich im Deutschlandfunk diskutiert.